22.02.2009Ein Null zu Null der besseren Art
Der Hallesche FC ist am heutigen Sonntag gegen den VfB Lübeck nicht über ein torloses Unentschieden hinausgekommen. Man muss es so klar sagen: Dieses Remis sind ganz klar vom Spielverlauf her betrachtet zwei Punkte zu wenig. Dennoch muss man sagen, dass die knapp 2.100 Leutchen im Kurt-Wabbel-Stadion ein 0:0 der besseren Sorte gesehen haben. Doch der Reihe nach.
Nach dem gestrigen Unetschieden zwischen Kiel und dem FCM hatte Chemie heute sogar die Möglichkeit, bei einem Sieg mit mehr als drei Toren Differenz die tabellenführung zu übernehmen. Vielleicht war dies der grund, warum es vor und im Stadion doch eine recht positive Grundstimmung gab. Das Wetter war es jedenfalls nicht. Widrige nasse Kälte und in der ersten Halbzeit sogar Regen mussten die Anhänger beider Teams ertragen. Um so erstaunlicher, in welchem Zustand sich der Rasen im KWS präsentierte. Klar war er tief, aber recht ordentlich bespielbar. Beide Mannschaften brauchten dennoch einige Minuten, um sich auf dem Geläuf zurechtzufinden. So waren es die Gäste, die einen ersten Wackler in der HFC-Abwehr sichtbar machten. Doch die langegezogene Flanke erreicht nicht den Kopf des Lübecker Angreifers. Auch ein zweiter Warnschuss geht von den Gästen aus. Das Ziel, nämlich Horvats Kasten, verfehlte der Schuss dann doch um einige Meter. Nun endlich übernahmen die Hausherren das Geschehen in ihre Hand. Nico Kanitz tauchte im Strafraum der Ostseestädter auf. Sein Seitfallzieherversuch schlägt in der 16. Minute fehl. Sonst war von dem kleinen "Dicken" am heutigen Tag nicht viel zu sehen. Zuvor hatte übrigens der aus Sicht des Autors beste HFCer des heutigen Spiels, Thorsten Görke, einen 30-Meter-Freistoshammer knapp neben das Gehäuse der Gäste gesetzt. Der HFC ist nun optisch überlegen, hat deutlich mehr vom Spiel. Dennoch ist Lübeck immer wieder durch kleinere Nachlässigkeiten in der Hintermannschaft des HFC gefährlich. Glücklicherweise versprühen diese Angriffsbemühungen wenig Gefährlichkeit aus. Hier zeigt es sich, warum Lübeck in der aktuellen Saison etwas der Erfolg fehlt. Nach einer knappen halben Stunde müssten die HFC-Fans eigentlich jubeln. Doch Thomas Neubert präsentiert sich mal wieder als Chancentod. Nach einem "Luftloch" eines Gästeabwehrrecken steht der HFC-Stürmer mutterseelenallein vor dem VfB-Tor. Er braucht sich nur die Ecke auszusuchen. Doch "Neubi" bringt das Kunststück fertig, seiner einzigsten Aufgabe auf dem Rasen nicht nachzukommen. Das Toreschießen scheint auch im Jahr 2009 nicht unbedingt die größte Eigenschaft von Thomas Neubert zu sein. Dies beweist er gleich noch in zwei weiteren Szenen vor dem Seitenwechsel. Wenigstens eine hätte zur Beruhigung der halleschen Fanseele beigetragen. So blieb es letztlich beim torlosen Unentschieden nach den ersten 45 Minuten.
In der Pause präsentierte der HFC-Fanszene e.V. erstmals ein Halbzeitspiel. Zum Auftakt gab es ein Torwandschießen, bei dem vier rot-weiße Fans ihr Glück versuchen durften. Aus den Reihen der BottleBoys war WürdeWicki dabei. Er war es auch, dem fast ein Treffer gelang. Doch von der Kante prallte das Leder wieder aus dem offensichtlich zu kleinen Loch (*grins*) wieder heraus. Das unsere Vermutung (und die von Stadionsprecher Markus Hein) bezüglich der Größe der Löcher gar nicht so daneben war, zeigte die Bilanz der vier Schützen: Nicht einer der vier Teilnehmer konnte einen Treffer verbuchen. Wie gesagt, der beste Schuss war noch der unseres WürdeWickis. Somit gab es am Ende vier Sieger und jeder freute sich auf ein HFC-Präsent. Mit diesem gelungenen Einstieg darf man gespannt sein, wie die anderen Spiele ablaufen werden.
Auf dem Rasen ging es dann natürlich auch weiter. Zweitligaschiedsrichterin Bibiana Steinhaus pfiff die Begegnung pünktlich wieder an. Nicht alle Pfiffe der attraktiven FIFA-Schiedsrichterin waren so klar nachvollziehbar wie dieser. Aber an der Leistung der Unparteiischen lag es auf keinen Fall, dass zunächst das Spiel mehr vor sich hinplätscherte. Nach einer knappen Stunde gab es endlich auch wieder eine Torchance. Doch zum Entsetzen der meisten Leute im Stadion war es Lübeck, die gefährlich vor das Tor des HFC kamen. Jens Werner, der für den rotgefährdeten Philip Schubert ins Spiel kam, leistete sich einen Sekundenschlaf. Doch der HFC hat ja Darko Horvat in seinem Tor. Der Kroate entschärfte diese Situation souverän. Nun endlich wurde Thomas Neubert erlöst. Für ihn kam Markus Müller ins Spiel. Der Neuzugang aus Aue hätte sich gleich brühmt schießen können. Doch der HFC-Angreifer bringt das Kunststück fertig, das Leder aus 2 Metern noch über das Tor hinweg zu semmeln. Dieses Nichtnutzen selbst bester Möglichkeiten brachte Sand ins Getriebe.Zwar war Chemie weiterhin feldüberlegen, doch konstruktives Angreifen sieht anders aus. Lübeck hatte die Sache fest im Griff, der HFC war zu ideenlos. In der 84. Minute schallt doch Jubel durch das weite Runde. Jedoch verstummt er auch rasch wieder. Thorsten Görke zieht voll ab. Sein Schuss wird abgefálscht und donnert an die Lattenunterkannte. Genau wie einst 1966 in Wembley springt das Leder auch wieder aus dem Tor heraus. Die Schiedsrichterin entscheidet nach Blick auf Ihren Assistenten auf Keintor. Aus unserer Perspektive war es deutlich zu erkennen, dass sie leider richtig lag. Auch die fernsehbilder des MDR bestätigten dies im Nachinein. Diese Chance brachte aber nochmals einen Ruck ins Spiel. Doch auch Jan Benes' Schuss wird abgefälscht und landet nur im Toraus. Letztlich fehlt wohl etwas die Kraft am Ende. So bleibt es - wie bereits eingangs verraten - beim Unentschieden mit ohne Toren. An der guten Ausgangssituation für den HFC ändert dies nichts. Nur wäre es natürlich mal schön, die Punkte auch in der Heimat zu erringen...
Fotos vom Spiel und dem Drumherum sind hier zu finden!Das meinten beide Trainer nach dem Spiel:
Peter Schubert (VfB Lübeck):"Vor dem Spiel wussten wir nicht so richtig, wo wir stehen, da die Mannschaft die gesamte Vorbereitung nur auf Kunstrasenplätzen absolvieren musste. Ein Lob an den Halleschen Platzmeister, für die gut präparierte Rasenfläche. Vor der Partie wären wir mit einem Punkt zufrieden gewesen. Dabei hatte das Team echte Torchancen, die aber nicht genutzt wurden. Meine Mannschaft hat in jeder Phase des Spiels Präsenz gezeigt. Insofern ist der Punktgewinn völlig verdient."
Sven Köhler (Hallescher FC):"Auch von mir ein großes Lob an den Platzwart. Meine Mannschaft hat eine große kämpferische Leistung gezeigt. Die Chancenvorteile lagen klar bei uns. Wenn man jedoch ein Spiel gewinnen will, muss man zumindest eine Möglichkeit davon nutzen. Der Schuss von Thorsten Görke in der Schlussphase war dann auch noch Pech. Dennoch kann ich mit dem Punkt leben, auch wenn wir zu Hause immer gewinnen wollen."
So spielten beide Teams:
Hallescher FC:Horvat - Schubert (46. Werner), Kamalla, Lachheb, Benes, Re. Stark (81. Hebestreit), Finke, Görke, Kanitz, David, Neubert (61. Müller)
VfB Lübeck:Semghoun - Gebers, Neumann, Marheineke, Lipke, Wehrendt, Niemeyer (66. G. Lange), N. Lange, Sachs, Helmke (74. Thomas), Henning (83. Kolodzick)
Tore: Fehlanzeige
Zuschauer: 2.062 (darunter ca. 120 Gästefans)