28.05.2009FCM gewinnt Pokal de Farce
Normalerweise geziehmt es sich, als fairer Verlierer dem Sieger zu gratulieren. Wir mussten jedoch erst einmal über die Geschehnisse des gestrigen Landespokalfinales schlafen, ehe wir uns zu einer Äußerung hinreißen lassen. Zunächst gilt unsere Gratulation dem Sieger der Begegnung. Mögen die Blau-Weißen mit diesem Pokalsieg glücklich werden, sofern man dies ob des Zustandekommens tatsächlich sein kann. Das wir Hallenser auch im Falle einer Niederlage Größe zeigen, konnte gestern jeder im Stadion nach dem Spiel sehen. Wer nur fünf Minuten nach dem Abpfiff ins Stadion Magdeburg kam, glaubte wohl eher, der HFC hatte das Spiel für sich entschieden. Frenetisch feierte die rot-weiße Wand von etwa 4.000 HFCern ihre fußballerischen Lieblinge. Auf der Seite der Sieger hatten sich bereits die Reihen gelichtet. Tja, und ob Schimpftiraden gegen den sportlichen Gegner ("Chemie-Schweine") zum Zeitpunkt des Pokalsieges die richtigen Rufe sind, werden wohl nur die Elbestädter wissen. Doch gehen wir erst einmal an den Beginn dieser Provinzveranstaltung.
Schon die Anfahrt zum Stadion gestaltete sich alles andere als Gästefreundlich. Da wurde im Vorfeld ein gemeinsames Durchlotsen der Autos gemeinsam mit den Bussen versprochen. Doch nix der gleichen geschah. So grenzte es fast an ein Wunder, dass wir es rechtzeitig mit dem Anpfiff in die Spielarena schafften. Gunnar Welms, der übrigens vom
DFB im Zuge der Hoyzer-Affäre aus den Ansetzungslisten bis zur Regionalliga gestrichen wurde, sollte als angeblicher Unparteiischer mehr im Mittelpunkt stehen, als er wohl selbst zu diesem Zeitpunkt dachte. Doch zunächst begann das Spiel furios. Bereits nach vier Minuten verfehlt Pavel David, der unter der Woche seinen Vertrag bei den Hallensern verlängerte, nur um 50 Zentimeter. Sein Schuss ging über die Querlatte. Auf der anderen Seite traf Vujanovic den Außenpfosten. Das war es denn aber schon mit den nennenswerten Aktionen. Sicher war der FCM in diesen Minuten optisch überlegen. Doch Torgefahr sieht anders aus. Auf der anderen Seite wurde dagegen Ronny Hebestreit mit einem Kopfball gefährlich. Das muss dem Referee ein Signal gewesen sein. In der 28. Minute kam sein erster großer Auftritt. Adli Lachheb dachte, sein Torhüter steht näher hinter ihm und spielt das Leder zu ihm zurück. Darko Horvat riskierte gegenüber den heraneilenden Najeh Braham Kopf und Kragen und bemerkte dabei, dass er außerhalb des eigenen 16ers steht (Dies bewiesen auch die TV-Bilder). Deshalb nahm er den Ball nicht auf, sondern löste das Geschehen spielerisch. Braham sprang ihm dabei in den Rücken. Deshalb war es wohl klar, das der HFC-Torhüter mit dem Pfiff des Schiesrichters einen Freistoß zuerkannt bekommt. Doch weit gefehlt. Herr Melms zeigt auf den Strafstoßpunkt. Unglaublich, welche Wende dieses Geschehen nimmt. Natürlich nutzt Racanel diese Möglichkeit zur Führung der Hausherren. Angesichts des nicht vorhandenen Schockzustandes der Hallenser, die einfach weiter offensiv zu Werke gehen, musste der Mann aus Osterburg nochmal reagieren. Nach einem Schubser von Ronny Hebestreit an einem Magdeburger Spieler, wie er in jedem Spiel mindestens fünfmal vorkommt, ahndet Herr Melms als Tätlichkeit. Angeblich hat er ein Nachtreten gesehen. Merkwürdig nur, dass selbst sein Assistent etwas erschrocken schaut, als er den roten Karton zieht. Chemie natürlich außer Rand und Band. Präsident Michael Schädlich eilt nach unten, um seine Bank zu beruhigen. Diese hatte sich massivbeim Linienrichter und vierten Offiziellen beschwert. Im Kabinengang gab er aber selbst dem "Unparteiischen" zur Halbzeitpause einige "Tipps" mit auf dem Weg.
Nach dem Wideranpfiff versuchte der HFC alles. Er schaffte es auch, in Unterzahl ein spielerisches Übergewicht zu erzielen. Doch weitere "merkwürdige" Entscheidungen des Herrn in Schwarz sollten diesen Tatendrang wahrscheinlich unterbinden, taten es aber nicht. Der HFC ging nun alles oder nichts. Leider sollten die sich ergebenden Möglichkeiten von Markus Müller oder Rene Stark nicht den Weg ins Tor finden. Auf der anderen Seite konnte der FCM selbst eine 4:1-Überzahl nicht zur Entscheidung nutzen. So blieb es am Ende beim 1:0 für die Hausherren, die hier ja offiziell nur "Gäste" waren in einem Spiel, was man eher als Farce bezeichnen kann.
Diese hatte aber noch nicht ihr Ende gefunden. Mit dem Abschnitt hatte Najeh Braham, der bereits im Spiel mehr durch Schauspieleinlagen als mit spielerischen Aktionen auffiel, zelebrierte unmittelbar vor der HFC-Kurve einen provozierenden Jubeltanz. Einige HFC-Spieler und auch Co Dieter Strozniak räumten ihn von der Stelle weg. Diese grobe Unsportlichkeit, welche noch auf dem Platz stattfand, ist in den Augen des Verbandes sicherlich nur eine Kleinigkeit. Die Reaktion der HFC-Fans, welche in dieser Situation zwar wütend, aber doch besonnen reagierten, ist dagegen sicherlich als mehr als böse anzusehen. Wie können es diese Rot-Weißen aber auch wagen, Ihr Team mehr zu befeiern als es der Sieger in der eigenen Kurve schaffte...
Bilder vom Spiel und dem Drumherum gibt es hier.So spielten beide Teams:
Hallescher FC:Horvat - Schubert, Lachheb, Kamalla (77. Kittler), Benes, Re. Stark, David, Finke, Kanitz (82. Kunze), Hebestreit, Neubert (64. Müller)
1.FC Magdeburg:Beer - Bankert, Rosin, Prest, Dragusha, Watzka, Racanel, Zander, D. Bauer, Vujanovic, Braham
Tor: 0:1 Racanel (28./FE)
Rote Karte: Hebestreit (41.) wg. angeblicher Tätlichkeit
Zuschauer: 12.988 (darunter 4.000 HFCer)