18.10.2009Halbes Dutzend lässt Berliner verzweifeln
Aufgrund der Zuschauerbeschränkungen und der damit verbundenen Schwierigkeiten beim Kartenerwerb war es nur für einige BottleBoys möglich, im Kurt-Wabbel-Stadion den historischen Sieg unseres HFC gegen Türkiyemspor Berlin live zu bewundern. Alle anderen fieberten am Live-Ticker mit und glaubten kaum, was sie da lesen konnten. Ganze sechs Mal schlug das Leder im Tor der Gäste ein. Die
offizielle Webseite des HFC schreibt zu diesem Spiel:
"Von der Haupttribüne bot sich den „limitierten“ 2.000 Zuschauern in das Stadion eine gähnende Leere. Selbst der für mit 200-Türkiyemspor-Fans zugelassene Block in der Südkurve blieb unbesetzt. Der Rasen schien schon nach der Aufwärmphase beider Teams arg ramponiert. Kein Wunder, denn bis kurz vor dem Anpfiff regnete es unaufhörlich. Dennoch blieb die Spielfläche durchaus bespielbar, so entschied es auch der Schiedsrichter. Der obligatorische Blick auf das Spielformular bot kaum überraschendes. Für den gesperrten und letztendlich verletzten René Stark rückte Ronny Hebestreit auf die frei gewordenen Sechserposition. Geburtstagskind Pavel musste auf die Bank, weil Angelo Hauk zuletzt auf der Stammposition des Tschechen überzeugen konnte.
Die ganz in Blau gekleideten Kreuzberger vollzogen den Anstoß und waren sofort im Spiel. Nach einem weiten Einwurf stand Hakan Cankaya am langen Pfosten völlig frei, doch sein Schüsschen ging am HFC-Tor vorbei. Allmählich fanden die Rot-Weißen ins Spiel und waren optisch überlegen. Mit starkem Pressing, schon in der Hälfte des Gegners, ließen die Gäste aber nichts zu. Erst nach rund zehn Spielminuten musste TS-Keeper Daniel Rothe eingreifen, aber der schwache Schuss von Markus Müller war kein Problem für ihn. Die Berliner ließen nicht locker und spielten weiter mutig nach vorn. In der 13. Minute kam dann auch der erste Ball in Richtung Horvat-Tor. Aber auch der HFC-Keeper hatte keine Mühe den Schuss von Abdenour Amachaibou fest zu halten. Irgendwie schien die Partie nicht richtig in den Gang zu kommen. Schließlich verinnerlichte Nico Kanitz eine alte Fußball-Weißheit von Sepp Herberger: 'Wenn Du nicht weißt wohin mit dem Ball, dann schieß ihn ins Tor.' Sein Heber (19.) aus 25 m landete im Dreiangel des Berliner Tores und die Fußball-Welt aus hallescher Sicht schien zunächst einmal in Ordnung. Den Gastgebern spielte dieser frühe Treffer in die Karten, denn nun mussten die Berliner ihre Taktik ändern und weitaus offensiver agieren. Sie übernahmen zwar das Kommando im Mittelfeld, doch torgefährlicher wurden sie nicht. Der HFC konnte nun kontern und tat dies mit zunehmender Spielzeit immer gefährlicher. Nach einer tollen Kombination zwischen Nico Kanitz und Angelo Hauk, scheiterte Thomas Neubert (23.) an Daniel Rothe kläglich. Auch Markus Müller (24.) konnte den TS-Keeper nicht überwinden. Hin und wieder kamen die weiter auf Offensive setzenden Berliner auch einmal in den HFC-Strafraum, aber Darko Horvat (27. gegen Cankaya) parierte zuverlässig. Der HFC blieb ganz cool und wartete ab. Nach rund einer halben Stunde ergab sich für Markus Müller eine gute Freistoßsituation. Doch sein Flachschuss aus rund 30 m war einfach zu schwach geschossen, um Daniel Rothe zu überwinden. Ganz anders machte es dann Nico Kanitz nur wenige Minuten später (34.). Aus 20 m zog der 'Dicke' den Ball per direkten Freistoß in den TS-Strafraum und traf zum 2:0. Von Süleyman Koc abgefälscht landete der Ball unhaltbar im rechten Toreck. Völlig verdient gingen den Rot-Weißen mit einer beruhigenden Führung in die Pause.
Die erste Viertelstunde nach dem Wechsel ging klar an die Gäste. Aber wie schon in der Anfangsphase der ersten Hälfte erspielten sie sich gegen die souverän stehende HFC-Abwehr kaum eine klare Chancen. Lediglich ein klares Abseitstor vom wuseligen Abdenour Amachaibou (bereits 5 Saisontore) blieb als unbedeutende Ausbeute. Doch noch war der HFC-Sieg nicht in trockenen Tüchern. Dafür tat die Offensive der Gastgeber einfach zu wenig. Ein erstes Achtungszeichen setzte dann Ronny Hebestreit (60.), der nach der Einwechslung von Marco Hartmann (kam für Thomas Neubert) in die Position hinter der Spitze rückte. Doch die gute Eingabe von Angelo Hauk verpasste „Hebe“ nur knapp. Das Spiel steuerte nun auf den Kulminationspunkt zu: Schaffen die Berliner den Anschlusstreffer und nähern sich dem Ausgleich oder entscheiden die Hallenser mit dem dritten Tor die Begegnung? Zunächst versuchten die Gäste die erste Alternative, aber Hakan Cakaya (der beste Spieler der Blauen) scheiterte am stark reagierenden Darko Horvat (62.). Es blieb die letzte erwähnenswerte Offensivaktion von Türkiyemspor. Eines war jetzt völlig klar: Dem möglichen 3:0 für den HFC würden weitere Treffer folgen. Und genau so kam es dann auch. In nur sechzig Sekunden entschieden die Köhler-Schützlinge die bis dahin fast aus-geglichene Regionalligabegegnung auf gutem Niveau. Adli Lachheb nutzte eine Unsortiertheit im Berliner Strafraum am langen Pfosten stehend (65.) zum spielentscheidenden 3:0. Gleich nach dem Wiederanstoß bediente Markus Müller seinen Mannschaftskapitän mit einen vorzüglichem Pass in die Tiefe. Nico Kanitz ließ dem herauslaufenden Daniel Rothe keine Chance und netzte zum 4:0 (66.) ein. Jetzt war die Moral der Gäste endgültig gebrochen. Der HFC dominierte das Spiel nun eindeutig und weitere Treffer waren nur eine Frage der Zeit, die noch genügend vorhanden war. Aber die nun vielfüßige TS-Abwehr hatte immer wieder ein Bein dazwischen, sodass weder Marco Hartmann (78.), noch Toni Lindenhahn (79.) das Tor trafen. Auch das nun eingewechselte Geburtstagskind Pavel David (85.) scheiterte in gleicher Art und Weise. Schließlich hatte dann Steve Finke (87.) aus Nahdistanz das leere Tor vor sich und schob einen Kanitz-Pass über die Linie. Doch der HFC war noch nicht fertig. In der Schlussminute hämmerte Jan Benes aus fast 35 m ein und das halbe Dutzend war geschafft."
So spielten beide Teams:
Hallescher FC:Horvat - Schubert, Lachheb, Mouaya, Benes, Müller, Finke, Hauk (67. Lindenhahn), Hebestreit (81. David), Kanitz, Neubert (56. Hartmann)
Türkiyemspor Berlin:Rothe - Grossert, Doymus, Sabacinski, Lichte, Novacic, Lemcke (46. Schimmelpfennig), Koc (72. Sentuerk), Cankaya (81. Selcuk), Okamoto, Amachaibou
Tore: 1:0 Kanitz (19.), 2:0 Kanitz (34.), 3:0 Lachheb (65.), 4:0 Kanitz (66.), 5:0 Finke (87.), 6:0 Benes (90.)
Zuschauer: 2.000 (darunter 0 Gästefans - aufgrund der DFB-Beschränkung "ausverkauftes Haus")