19.12.2009Gefühlte 100 Chancen reichen nur für ein Tor...
Dass die Partie gegen den FC St. Pauli II vor etwas über 1.500 Zuschauern überhaupt stattfinden konnte, war dem Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer geschuldet, welche nicht nur die Spielfläche, sondern auch das Umfeld im und am KWS im Vorfeld vom Schnee beräumt hatten. Fünf Tage vor dem Weihnachtsfest wollten unsere Jungs ihren Anhängern mit dem sechsten Heimsieg dieser Regionalligaserie ein vorfristiges Präsent auf den Gabentisch legen. Bei fast schon als "sibirisch" (-12 bis -14 Grad) und eigentlich als unzumutbar zu bezeichnenden Begleitumständen sollte der Rückstand auf Ligaprimus Babelsberg verkürzt werden, was am Ende auch gelang. Erstmals berichtete neben dem LIVE-TICKER auch das HFC-Fanradio und konnte mit rund 350 Zuhörern an den Rechnern eine gelungene Premiere feiern. Nach "gefühlten 800 Standards für den HFC", wie Gästetrainer "Krümel" Großkopf nach dem Spiel meinte und zwei Pfostenknallern der Rot-Weißen, gelang zehn Minuten vor dem Abpfiff Ronny Hebestreit dann doch noch das langersehnte Tor. "Das späte 1:0 war der verdiente Lohn für meine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft", analysierte unser Cheftrainer Sven Köhler nach der spannenden, und seitens des HFC spielerisch überzeugenden, Partie. Die Hamburger hätten auch mit einer tüchtigen Packung die Heimreise antreten können, doch ihr ausgezeichnet haltender Keeper Arvid Schenk und wieder einmal die krass schlechte HFC-Chancenverwertung ließen sie bis in die Schlussphase auf den insgeheim geplanten Punktgewinn hoffen. Daraus wurde, trotz einer guten Chance von Kristoffer Laban, kurz nach dem HFC-Führungstreffer, berechtigterweise nichts. Damit kann unsere Mannschaft die Winterpause auf dem dritten Platz stehend genießen, um dann ab Februar 2010 den momentanen Spitzenreiter aus Babelsberg erfolgreich anzugreifen.
Während unsere beiden Afrikaner Patrick Mouaya und Adli Lachheb mit langen Unterziehhosen aufs Feld durften, dem sich auch der HFC-Kapitän noch anschloss, wählte Markus Müller sein kurzärmliges Trikot. Ein Ex-Erzgebirgler ist wohl kälteresistent, doch schon nach rund einer Viertelstunde hatten auch "Mülli" die Minusgrade übermannt, und er zog sein langärmliges Unterziehhemd über die bis dahin nackten Arme. Nach der bisher kältesten Nacht dieses Winters begann der HFC hochkonzentriert, lieferte auf gefrorenem Boden eine spielerisch überzeugende Leistung ab und erarbeitete sich Chancen im Minutentakt. Philip Schuberts Geschoss aus 18 m wurde vom Gästekeeper noch an den linken Pfosten abgefälscht (11.), einen Finke-Kopfball konnte Arvid Schenk abwehren (13.) und Markus Müller wurde von Nico Kanitz schön freigespielt, verstolperte aber aus fünf Metern (20.). Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Gastgeber bereits zehn eigene Eckbälle aufzuweisen, was die rot-weiße Überlegenheit nur noch mehr verdeutlicht. Und weiter ging das Spiel auf ein Tor. Gegen Jan Benes (23.) und Pavel David (24.) konnte der Pauli-Torwart noch parieren, bevor die Hamburger zu ihrer einzigen Möglichkeit in Hälfte eins kamen. Davidson Drobo-Ampem zog aus 12 m ab, doch Darko Horvat war auf der Höhe (29.) des Geschehens. Nach zwei erfolglosen Versuchen von Pavel David (31./33.) und einem abgefälschten Freistoß des Tschechen, den Arvid Schenk entschärfte (45.), verabschiedeten die Zuschauer ihre Jungs mit viel Applaus in die Kabinen. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Gastgeber gut und gerne mit 3:0 führen können, ja müssen. Noch waren 45 Minuten zu absolvieren und der so wichtige Dreier vor der anstehenden Winterpause noch nicht verspielt.
Beide Mannschaften kehrten in unveränderten Formationen in den "Tiefkühlschrank" zurück. Und so, wie bisher, ging es aus Sicht der Gastgeber nach dem Wiederanpfiff weiter. Der Schlussmann des FC St. Pauli II stand weiterhin im Mittelpunkt des Geschehens. Zuerst fischte er Ronny Hebestreit das Leder im Fünfmeterraum noch von den Füßen (50.), um dann einen Schuss von Toni Lindenhahn aus 14 m abzuwehren (55.). Per Kopf versuchten sich nun der aufgerückte Adli Lachheb (57.) sowie Steve Finke, der in der 69. Minute etwas zu genau an den rechten Pfosten zielte. Schoss Ronny Hebestreit aus 6 m noch drüber (78.), machte es der Routinier dann zwei Minuten später besser und avancierte zum Matchwinner. Einen Freistoß von Pavel David köpfte "Hebe" zum 1:0 ins Gehäuse. Nachdem Darko Horvat fast im Gegenzug ein Geschoss von Kristoffer Laban aus dem linken unteren Eck kratzte, vergab der für Nico Kanitz in die Partie gekommene Thomas Neubert noch zwei "Riesen". Zuerst schoss er Arvid Schenk völlig freistehend in die Arme (82.) und danach aus 12 m ganz knapp am langen Pfosten vorbei ins Toraus (83.). Kurz vor dem Spielende war die Aufregung für Erich Conradi wahrscheinlich doch etwas zu hoch. Er musste mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus gebracht werden, und wir wünschen unserem Ehrenmitglied auch auf diesem Wege gute Besserung. Durch diesen hochverdienten Sieg überwintert unser HFC auf dem dritten Tabellenplatz und konnte den Rückstand auf Spitzenreiter Babelsberg 03 auf sechs Punkte verkürzen. Aus einer nahezu geschlossen starken HFC-Mannschaft ragten Patrick Mouaya, Ronny Hebestreit, Pavel David und Toni Lindenhahn noch heraus.
(Quelle:
www.hallescherfc.de)
So spielten beide Teams:
Hallescher FC:Horvat - Schubert, Lachheb, Mouaya, Benes, Finke, Hebestreit, Lindenhahn, David, Kanitz (74. Neubert), Müller
FC St. Pauli II:Schenk - Demirbaga, Theißen, Hinzmann, Drobo-Ampem, Filipovic (87. Kurczynski), Bourgault, Winkel (67. Browarczyk), Krause, Zekiri (57. Laban), Pichinot
Tor: 1:0 Hebestreit (80.)
Zuschauer: 1.512 (darunter ca. 80 Gästefans bei eisigen -15 Grad Celsius)