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HISTORISCHES - ZUM 60. GEBURTSTAG VON BERND BRANSCH

Mitteldeutsche Zeitung"Mitteldeutsche Zeitung" vom 24.09.2004

Ballholer mit links zum Klasse-Libero
Hallenser Bernd Bransch feiert seinen 60. Geburtstag

Halle/MZ. Als der "Lange" noch eher die Statur eines Sprinters hatte, war beim ersten Auftritt im halleschen Chemie-Team Kondition gefragt. "Heinz Krügel, unser damaliger Trainer ließ Torschüsse üben. Ich musste zuerst ran und durfte dann eine Stunde lang hinter dem Tor die Bälle einsammeln", erinnert sich Bernd Bransch an seinen Einstand mit 19 Jahren. "Als Balljunge ist der erst mal am besten aufgehoben", dachte sich Krügel, doch es dauerte nicht lange, bis er die Qualitäten des drahtigen Linksbeiners zu schätzen wusste.

"Bernd war einer der besten Spieler, die ich trainieren durfte", sagt der Erfolgscoach heute über den Jubilar, der auch mit 60 den Ball noch so meisterlich beherrscht, dass die Jungen bei Benefizspielen aus dem Staunen nicht heraus kommen.

Bransch, in der Nähe des Wabbel-Stadions groß geworden und glühender Bewunderer der halleschen Turbine-Meisterelf von 1952, war keiner, dem das Talent in die Wiege gelegt wurde. Der Linksbeiner trainierte und kämpfte sich beharrlich nach oben - bis zum Kapitän der DDR-Nationalmannschaft.

1967 beim 1:0-Sieg in Schweden debütierte Bransch, später unter Georg Buschner stieg er zum Kapitän auf und sollte Libero werden. Auch im Verein. Doch bei Chemie spielte der vier Jahre ältere Klaus Urbanczyk auf dieser Position. Das roch nach Hauskrach. "Banne" und der "Lange" klärten die Sache als Trothaer Nachbarn am Gartenzaun. "Der Bernd ist dann auch mein Nachfolger als Kapitän geworden und hat die Mannschaft so gut geführt, wie ich das versucht und wie ich es von meinem Vorgänger Klaus Hoffmann gelernt hatte", blickt Urbanczyk zurück. Dieses Jahr 1971 hatte für die beiden Kämpen das Auf und Ab in der Achterbahn des Lebens im Zeitraffer beieinander. "Wir spielten eine Supersaison, wurden Dritter. Dann kam der Europapokalherbst und die Brandkatastrophe in unserem Eindhovener Hotel. Es waren Gefühle zwischen Himmel und Hölle", erinnert sich Bransch.

WM 1974 - Kurz vor Beginn des Spieles BRD - DDR reichen sich Franz Besckenbauer und Bernd Bransch die Hand. Des Spiel endete überraschend 1:0 für die OstdeutschenEin Jahr später erlebte der Hallenser ähnliches bei Olympia 1972. Diese Bilder von der schrecklichen Tragödie werde er nie vergessen. "Die Mannschaft war nur einen Häuserblock entfernt, Auge in Auge mit den Attentätern", schildert Bransch, der wütend daran zurück denkt, dass "wir im Dorf trainieren mussten, als alle im Olympiastadion trauerten". Tage später bekam er die erste von zwei Olympiamedaillen. "Bronze von München habe ich in allen Spielen miterkämpft. Das Gold von Montreal hat mir Trainer Buschner geschenkt, der mich im Finale vier Minuten vor Schluss einwechselte. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar", erzählt Bransch, der als weiteres Highlight das deutsch-deutsche WM-Duell vom Hamburg nennt. "Wir haben ihnen geholfen, Weltmeister zu werden, konnten als krasser Außenseiter befreit spielen, weil wir schon für die zweite Runde qualifiziert waren", erinnert sich der damalige Kapitän an den 1:0-Sieg und den späteren heimlichen Trikottausch. "Beckenbauers Hemd hatte ich in den Turbulenzen verloren. Vor kurzem haben wir noch einmal symbolisch in Leipzig getauscht", plaudert Bransch.

Als Präsident hat er den HFC durch drei bittere Jahre geführt. "Da stand unsere Existenz im Leistungsfußball auf dem Spiel", weiß Bransch. Den Verein brachte er durch die Wende, agierte glücklos als Manager und lernte beim Wosz-Transfer nach Bochum Fallen des Profigeschäfts kennen. Nach dem Abstieg aus Liga zwei erhielt Bransch Ehrentribünen-Verbot. "Da habe ich mir Karten für die Fankurve gekauft", erzählt er.

Es war die Zeit, als sich Bransch beruflich durchschlagen musste. Als Bauleiter. Als Chef einer Sportagentur. Und die Zeit, als der heimtückische Krebs seine Brigitte erreichte. Bransch hat lange gebraucht, um den Tod seiner Frau zu überwinden. Die Töchter Kathrin und Ute sowie die Enkel Felix und Anne halfen ihm dabei.

Mit Lebensgefährtin Antje fand er eine neue Liebe. Und im Stadtsportbund als Koordinator eines Ü-55-Projektes eine interessante Aufgabe. Ball und Bier mag er nach wie vor. Heute besonders, wenn die alten Freunde viel zu erzählen haben. Von besseren Fußballzeiten.

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