
"
Mitteldeutsche Zeitung" vom 05.06.2005
«Banne» hat endlich wieder Spaß an Kniebeugen
Klaus Urbanczyk wird am Sonnabend 65 - Olympia-Bronze und Brandkatastrophe
Halle/MZ. Halle/MZ. Nun ist er Rentner. Zumindest auf dem Papier. Denn zum alten Eisen zählt Klaus Urbanczyk noch lange nicht. "Banne", Halles Fußball-Idol, feiert am Sonnabend seinen 65. Geburtstag. Nach Knie-OP bei bester Gesundheit.
Einen großen Bahnhof wird es am Sonnabend in Trotha nicht geben. Die Brüder, die Familie, ein paar Freunde, Kumpel vom HFC, das wird es dann auch sein. "Ich mag diesen Rummel sowieso nicht. Und außerdem bin ich jetzt Rentner und brauche meine Ruhe", flachst Klaus Urbanczyk zu seinem 65. Geburtstag. "Banne", der langjährige Kapitän des HFC und der DDR-Nationalmannschaft, der "Sportler des Jahres 1964", das Idol der Fußball-Kids in den Sechzigern, ist froh, dass es ihm gesundheitlich wieder besser geht. Vor einem halben Jahr hat er ein künstliches Kniegelenk bekommen. "Jetzt fühle ich mich wie neu geboren", sagt Urbanczyk, denn die morgendlichen Kniebeugen machen wieder Spaß. Ohne Schmerzen.
"Das Knie wollte nicht mehr. Es waren die Spätfolgen von Tokio", berichtet Urbanczyk. Damals, vor über vier Jahrzehnten, brach er sich im olympischen Halbfinale von Tokio gegen die CSSR nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Torwart Heinsch das Bein.
Das Karriereende drohte. Mit 24. Aber "Banne", nach dem Sieg im kleinen Finale gegen Ägypten als zuschauender Kapitän mit Bronze dekoriert, kämpfte sich wieder ins Rampenlicht, spielte bis 1972 und blieb als Erfinder des modernen Tacklings unvergessen. Legendär war sein Duell mit Bobby Charlton 1963 im Leipziger Länderspiel gegen England.
1971 entging er im Hotel "Silbernes Seepferd" von Eindhoven wie zahlreiche andere HFC-Fußballer knapp dem Flammentod. Urban-czyk rettete bei der Brandkatastrophe, bei der HFC-Spieler Wolfgang Hoffmann starb, mehreren Menschen das Leben, musste nach seinem mutigen Einsatz selbst mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.
"Es sollte im Europacup ein Feiertag für uns werden, stattdessen erlebten wir einen Alptraum", erinnert sich Urbanczyk, der nach seiner Spielerkarriere auch erfolgreich als Trainer arbeitete. "Die schönsten Stunden gab es in Magdeburg. Da gehörten wir zur Spitze Europas", zählt Urbanczyk die Pokalsiege und die starken Europapokalauftritte auf. "Aber ein Makel bleibt. Ich wurde mit diesem Team nicht Meister", blickt der 34fache Nationalspieler zurück. Später war er natürlich beim HFC, musste aber zwei Mal vorzeitig gehen.
Bei Lok Stendal wollten sie ihm sogar ein Denkmal bauen. Nach dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale gegen Leverkusen mit Rudi Völler und Bernd Schuster. Erst im Elfmeterschießen war Schluss. Und einigen staunenden Reportern von westlich der Altmark erklärte Banne auf seine Art den Erfolg: "Wir waren in der DDR ja ein bisschen blöd, aber mit eckigen Bällen haben wir auch nicht gespielt."