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Mitteldeutsche Zeitung" vom 05.01.2006
Tragödie stoppt Höhenflug
Brandkatastrophe von Eindhoven hinterlässt tiefe Spuren - Wolfgang Hoffmann stirbt
Halle/MZ. Im sechsten Jahr nach seiner Gründung gelang dem HFC ein Quantensprung. Die bislang "graue Maus" aus dem letzten Tabellendrittel gewann 1970 / 71 unter Interimstrainer Günter Hoffmann - Chefcoach Walter Schmidt war zur Weiterbildung an die DHfK Leipzig "abkommandiert" worden - völlig überraschend Meisterschaftsbronze und wurde anschließend von vielen Tausenden Fans auf Halles Marktplatz gefeiert.
Der heiß herbei gesehnte Höhenflug des Klubs mit der im Durchschnitt jüngsten Mannschaft der Oberliga schien damit eingeleitet. Klaus Urbanczyk war mit seinen 30 Jahren der mit Abstand älteste im Team. Nur noch sein Nationalelf-Nachfolger Bernd Bransch (26) und Abwehrspieler Günter Riedl (27) hatten das "beste Fußballeralter" schon erreicht. Alle anderen gehörten mehr oder weniger in die Kategorie "Talente", von denen Wolfgang Schmidt, Erhard Mosert und Hartmut Meinert gerade dem Juniorenalter entwachsen waren.
Doch alle Träume wurden vier Monate später von dem Feuer zerstört, das nach einer Gasexplosion in der Nacht zum 29. September 1971 im Hotel "Silbernes Seepferdchen" im holländischen Eindhoven ausbrach. Dort hatte der HFC vor dem Rückspiel im Uefa-Cup gegen den gastgebenden PSV Quartier bezogen. Nach dem 0:0 im Hinspiel vor 35 000 Zuschauern im Wabbel-Stadion war die Truppe noch guten Mutes angereist. In der allgemeinen Hektik nach Ausbruch des Brandes behielten die meisten Hallenser zum Glück kühlen Kopf. "Wir haben zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gemacht, wenn auch nicht aus Überlegung, sondern instinktiv", erinnert sich Klaus Urbanczyk.
"Banne" selbst rettete unter Einsatz seines Lebens andere Hotelgäste. Mit dem rechten Arm durchschlug er dabei eine Glastür und machte den Weg nach draußen frei. Urbanczyk zog sich dabei schwerste Schnittverletzungen zu, die ihn einige Monate ans Bett fesselten.
Auch seine Mannschaftskameraden Günter Riedl und Erhard Mosert trugen schwere Verletzungen davon. Mosert, der trotz seiner jungen Jahre bereits ein Länderspiel bestritten hatte, erlitt einen Knöchelbruch. "Doch all das war reparabel, wenn man es mit dem traurigen Schicksal von Wolfgang Hoffmann vergleicht", sagt Urbanczyk. Der 21 Jahre Nachwuchsverteidiger, der erst kurz vor Reiseantritt für den erkrankten Werner Peter in das Aufgebot gerutscht war, starb im "Seepferdchen". "Er war auf dem Weg nach draußen, ist dann aber umgekehrt, um seine Sachen zu holen", schildert "Banne".
Die Tragödie von Eindhoven hinterließ auch sportlich tiefe Spuren. Für Walter Schmidt steht fest, dass die folgende Talfahrt "mit den nicht richtig verarbeiteten Ereignissen von Eindhoven" zusammenhing. "Statt die Spieler entsprechend psychisch zu betreuen, wurden sie auf öffentlichen Foren herumgereicht", ist der damalige Cheftrainer noch heute verärgert. Das große Talent Mosert beispielsweise konnte nie mehr an seine Form vor der Katastrophe anknüpfen, hat aber im Alter von 34 Jahren noch einmal eine Oberliga-Saison lang für Suhl die Stiefel geschnürt.