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Mitteldeutsche Zeitung" vom 10.01.2006
Glückwünsche aus Paraguay
Pahl und Nachtweih zieht es in die Bundesliga - Ex-Torhüter seit Jahren in Südamerika
Halle/MZ. Dem elften Rang im Aufstiegsjahr 1974 / 75 schloss sich die stabilste Periode der HFC-Geschichte an. Sechs Serien in Folge belegte die vorherige Sphinx der Oberliga unter den Trainern Günter Hoffmann und Peter Kohl sichere Mittelfeldplätze, wobei einige Male eine Qualifikation für den Uefa-Cup nur knapp verfehlt wurde. Als Grundlage dafür nennt "Hopser" Hoffmann die erfolgreiche Arbeit im Nachwuchsbereich. Hallesche Talente prägten in dieser Zeit auch zunehmend das Gesicht der DDR-Nachwuchsteams.
Zwei davon haben für die gediegene Grundausbildung damals auch in der Bundesliga Zeugnis abgelegt. Torhüter Jürgen Pahl, gerade 20 Jahre alt, und der 16 Monate jüngere offensive Mittelfeldspieler Norbert Nachtweih hatten am 16. November beim EM-Qualifikationsspiel der DDR-Nachwuchsauswahl im türkischen Bursa (1:1) die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und waren in die Bundesrepublik geflüchtet. Wie immer in solchen Fällen war von Verschwörungstheorien und Abwerbungsversuchen bundesdeutscher Klubs die Rede. Weil die beiden Spieler anschließend bei der Frankfurter Eintracht landeten, wurde der wie Pahl aus Teuchern stammende Trainer Dietrich Weise als "Drahtzieher" bezeichnet. Doch der spätere DFB-Nachwuchskoordinator gab zu Protokoll: "Dass wir beide aus dem gleichen Ort stammen, habe ich erst 1983 mitbekommen, als ich erneut Trainer in Frankfurt wurde und Pahl hier Torhüter war."
Der Grund war viel einfacher: Pahl und Nachtweih lockte die Bundesliga, in der man es längst zu etwas bringen konnte. Und speziell der Torhüter war einer, der sich in seinem Leben, wie sein weiterer Werdegang zeigte, nirgendwo länger festnageln ließ. "Ich bin halt ein bisschen Lebenskünstler", gestand er erst vor wenigen Monaten, als er aus dem fernen Paraguay extra zum 50. Geburtstag der Sportschule in der Saalestadt angereist war. Pahl hat bei Eintracht Frankfurt 152 mal das Bundesliga-Tor gehütet und war am Ende seiner sportlichen Laufbahn noch zwei Jahre in der Türkei aktiv. Nach der Wende versuchte er es in Teuchern in der Türen-, Fenster- und Innenausbau-Branche, um dann festzustellen: "Mir reicht es. Ich bin keiner, der ewig das Gleiche machen kann."
So reiste Pahl 1998 nach Südamerika aus, wo er erst eine Fußballschule betrieb und heute von Immobiliengeschäften und einem Auswanderungsservice lebt. Für den rastlosen Weltenbummler, der laut eigener Aussage "schon mehrere Firmen nach Brasilien vermittelt" hat, dürfte das aber nicht das Ende der Fahnenstange sein. Zuletzt war der Einstieg in eine Spielervermittler-Agentur im Gespräch ...
Sportlich wesentlich erfolgreicher war Norbert Nachtweih, der mit Frankfurt (120 Einsätze) 1980 den Uefa-Pokal gewann und von 1982 bis 1989 insgesamt 202 Bundesligaspiele für den FC Bayern bestritt. Mit dem Branchenprimus, der ihm auch bei der Entschuldung aus einem betrügerischen Bauherren-Modell behilflich war, wurde er vier Mal Meister und zwei Mal Pokalsieger. Unter heutigen Voraussetzungen wäre er sogar ein Kandidat für die DFB-Auswahl gewesen. Doch zu seiner Zeit durften Nachwuchs-Auswahlspieler nicht mehr das Trikot eines zweiten Landes tragen. "Weil die Regeln nun mal so waren, hatte ich mich damit abgefunden. Die Titel mit den Bayern und Frankfurt haben mich dafür reichlich entschädigt", erklärte der schussstarke Blondschopf (46 Bundesligatreffer), der auch zwei Jahre das Trikot des französischen Erstligisten AS Cannes trug und seine Laufbahn in Mannheim beendete.
Weniger mit dem Glück im Bunde war der gebürtige Pollebener später als Trainer, wobei er es zwischenzeitlich bis in die Oberliga schaffte. So führte ihn letztlich sein Weg zur Frankfurter Eintracht zurück, wo er sich im Nachwuchsbereich und als Scout betätigt. Er ist zudem in bestimmte Werbeprojekte eingebunden, wovon eines ihn vor einigen Wochen "dienstlich" auch nach Halle führte.