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HISTORISCHES - ZUM 40. GEBURTSTAG DES HALLESCHEN FC

Mitteldeutsche Zeitung"Mitteldeutsche Zeitung" vom 19.01.2006

Zu ängstlich ins Abenteuer
Halle versäumt Kaderauffrischung im Bundesligajahr - Wosz geht vor Abstiegsrunde

Halle/MZ. "Es war geradezu ein Wunder, dass wir uns in der Saison 1990 / 91 als Oberligavierter für die zweite Bundesliga qualifizieren konnten." Trainer Bernd Donau ist noch heute darauf stolz, "zumal der HFC mit einem dritten Rang nur einmal besser war".

Das Erreichte bekommt aus seiner Sicht noch zusätzlich Gewicht, weil mit Andreas Wagenhaus (1989 nach Dresden) und Lutz Radtke (1990 nach Jena) zwei Spieler aus dem Auswahlkader Halle verlassen hatten. Zudem standen auch Steffen Karl (nach seiner Suspendierung bereits in Dortmund), Torhüter Karsten Härtel (Rheinbach) und Stürmer Lutz Schnürer (Saarbrücken) nicht mehr zur Verfügung.

"Uns war eigentlich klar, dass wir zwei, drei echte Verstärkungen benötigten, wenn die zweite Bundesliga kein Abenteuer werden sollte", sagt der Ex-Coach. "Vor allem auf der Libero-Position und im Angriff war das nötig. Aber unsere Bemühungen um Dirk Stahmann und Heiko Laessig vom FCM sowie den aus Halle stammenden BFC-Angreifer Torsten Boer waren vergebens. So blieb Timo Lange (Brandenburg) der einzige Neue, der uns weiterhelfen konnte." Vielleicht hätten wir in finanzieller Hinsicht ein wenig mutiger sein müssen, denkt Donau.

"Damals überwog beim Präsidium jedenfalls der Stolz, schwarze Zahlen zu schreiben. Die hohen Schulden jedenfalls, an denen der HFC dann jahrelang zu knabbern hatte, sind nicht in der zweiten Bundesliga gemacht worden", stellt der derzeitige Trainer von Merseburg 99 klar. Dass im Verlaufe der Vorrunde der Kader (Gotsmanow, Preljevic) noch ein wenig "aufgefrischt" worden sei, hätten erst Sponsoren ermöglicht. Damit waren die Probleme nicht behoben. Der Weißrusse hatte seinen Zenit schon überschritten und der Kroate war in seinen spielerischen Mitteln limitiert. Zudem zog sich Libero Jan Rziha im Uefa-Cup gegen Torpedo Moskau (2:1 / 0:3) eine schwere Verletzung zu und Kapitän Lutz Schülbe plagten immer stärker Knieprobleme. Hinzu kam zusätzlich noch die große Unruhe im Verein, die das Tauziehen mit dem Erstligisten VfL Bochum um Dariusz Wosz auslöste.

Der kleine Hallenser hatte nämlich beim Ruhrpott-Verein für die Saison 1991 / 92 einen Kontrakt unterschieben, obwohl er eigentlich schon vertraglich an den HFC gebunden war. Die Bochumer, speziell ihr Manager Klaus Hilpert, spielten alle juristischen Tricks aus und saßen als Bundesligist dann letztlich auch am längeren Hebel. Im extra einberufenen DFB-Schlichtungsausschuss erreichte die hallesche Seite zwar, dass Wosz erst in der Winterpause wechselte, musste bei dem Kompromiss aber Zugeständnisse machen.

Statt 1,5 Millionen Mark brauchte der Erstligist nur 1,2 Millionen zu überweisen. Der monatelange Hickhack ging auch an Wosz nicht spurlos vorüber. Der noch in der letzten Oberligasaison zum "besten Spieler" gekürte Hallenser vermochte dem HFC nicht so zu helfen wie gewohnt. Die Hoffnung des HFC hingegen, mit Wosz die Vorrunde wenigstens auf Rang sechs abzuschließen, was bereits den Klassenerhalt bedeutet hätte, zerschlug sich. Statt in die Qualifikationsrunde für die erste Liga ging es ohne Wosz in die Abstiegsgruppe. "Da waren etliche Spieler nicht mehr hundertprozentig bei der Sache, weil sie sich mit Wechselgedanken beschäftigten und über die Woche durch die Bundesrepublik tourten", bedauert Donau.

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