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Mitteldeutsche Zeitung" vom 21.01.2006
Muth beweist am tiefsten Punkt Mut
Antennenbauer bewahrt Klub vor dem Konkurs
Halle/MZ. Nach der 2. Bundesliga erging es dem HFC wie so manchem Absteiger: Beim Versuch, sofort wieder aufzusteigen, wurde finanziell zu hoch gepokert. Denn als das sportliche Ziel in den Sand gesetzt war, saß man in der Schuldenfalle. "Wie man mit den gleichen Spielergehältern, teuren Neuzugängen und ohne Fernsehgelder in der Oberliga zurecht kommen wollte, war mir von vornherein ein Rätsel", schüttelt der von "Urgestein" Klaus Urbanczyk abgelöste Trainer Bernd Donau noch heute den Kopf.
Es passte auch ins Bild, dass die kleine Chance, nach der Saison 1992 / 93 durch die Hintertür zurück in den Profifußball zu gelangen, durch das von Präsident Ulrich Holesovsky neu formierte Management auch noch verspielt wurde. Denn als der DFB dem Staffelersten Union Berlin wegen gefälschter Angaben die Lizenz verweigerte, durfte der Tabellenzweite HFC nicht nachrücken, weil er keine Lizenz beantragt hatte.
Ein Jahr später verpasste die Mannschaft als Staffel-Achter sogar die Qualifikation für die aus der Taufe gehobene Regionalliga. Nicht weniger als 28 Spieler verließen den Verein, der nun auch sportlich am Stock ging. Angesichts eines Schuldenberges von rund anderthalb Millionen Mark schien der Konkurs unausweichlich zu sein.
Der im Dezember 1994 für den abgewählten Präsidenten Holesovsky eingesprungene Krankenkassen-Manager Olaf Piepgras atmete jedenfalls tief auf, als sich im Sommer des folgenden Jahres mit Andreas Muth ein mittelständischer Unternehmer fand, der das "Himmelfahrtskommando" übernahm. "Ich konnte doch nicht zulassen, dass so ein Traditionsverein von der Bildfläche verschwindet. Aber auf was ich mich da eingelassen hatte, wurde mir erst im Laufe der Zeit klar", sagt Muth, denn "es gab kaum einen Tag, an dem wir uns um sportliche Belange kümmern konnten. Es ging immer nur um die blanke Existenz."
Als die neue Präsidiumstroika, zu der noch Lutz Einsporn und Reinhard Menzel gehörten, die Geschäfte übernahm, "mussten wir uns durch ein Chaos arbeiten. Unterlagen, Belege, Verträge - es war so gut wie nichts mehr vorhanden. Wenn wir dachten, endlich den Überblick zu haben, gab es neue Forderungen oder kamen weitere Verbindlichkeiten ans Licht", schildert Muth, der in seinen ersten Amtsjahren das "Klinkenputzen" bei Gläubigern und potenziellen Neusponsoren zu seiner Hauptbeschäftigung machte. Es ging ums nackte Überleben, für den laufenden Spielbetrieb fiel kaum etwas ab. Trotzdem hielten die verbliebenen Spieler zur Stange. "Als ich ihnen erklären musste, dass selbst für eine Begleichung der Unkosten kein Pfennig in der Kasse ist, hat keiner das Trikot ausgezogen", berichtet der derzeitige Stadionchef Günter Riedl, der als Interimstrainer für den nach Stendal gewechselten Klaus Urbanczyk eingesprungen war.
Während das Vertrauen von Sponsoren nur in kleinen Schritten zurückgewonnen werden konnte, war das der Fans fast grenzenlos. Hunderte begleiteten den Klub in der Verbandsliga "über die Dörfer". Und als es am Ende der Saison 1998 / 99 gegen Anhalt Dessau um den Aufstieg ging, musste sogar ein Sonderzug organisiert werden. "Dieser Rückhalt hat uns viel Kraft gegeben", resümierte Muth. Und er ging 1999 mit Stolz: "Als wir begannen, besaß der HFC nicht einen Sponsor. Am Ende hatten wir einen Etat von 600 000 Mark."