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HISTORISCHES - ZUM 40. GEBURTSTAG DES HALLESCHEN FC

Mitteldeutsche Zeitung"Mitteldeutsche Zeitung" vom 25.04.2006

Alptraum im brennenden Seepferd
Nach Katastrophe spielt PSV Eindhoven beim HFC - Urbanczyk rettete damals Hotelgäste

Halle/MZ. Klaus Urbanczyk ist dankbar, dass ihm die beiden künstlichen Kniegelenke, die er jetzt tragen muss, fast die alte Bewegungsfreiheit wiedergegeben haben. "Die Schmerzen wurden unerträglich. Ich bin froh, dass ich die beiden Operationen habe durchführen lassen", sagt das 65 Jahre alte Fußball-Idol und schiebt verschmitzt hinterher: "Unkraut vergeht nicht."

"Banne", wie ihn die Freunde rufen, war in den 60ern der Erfinder des Sliding Tackling als Abwehrmittel gegen Außenstürmer, gehörte zu den besten Rechtsverteidigern Europas und musste allerhand durchmachen. 1964 in Tokio bei Olympia brach er sich im Halbfinale das Bein.

Das Karriereende schien festzustehen, doch Urbanczyk kam zurück. "Im Krankenbett wollte ich nicht abtreten", sagt der Hallenser, der bei seinem zweiten Tiefschlag zu einem Helden für die Holländer wurde.

"Na ja, als Held fühle ich mich nicht. Klar, ich habe einigen Menschen damals im brennenden Hotel von Eindhoven das Leben gerettet, vielleicht instinktiv das Richtige gemacht", erinnert sich Urbanczyk an die Katastrophe, die bis heute nicht richtig aufgeklärt werden konnte. "Die einen sagen, es sei eine Gasexplosion gewesen, andere schieben es Brandstiftern zu, Dritte glauben an einen Anschlag von Juwelendieben, die eine Ausstellung im Hotel plündern wollten", rätselt Urbanczyk, der nach der Rettungstat selbst schwer verletzt vier Wochen in einem Eindhovener Krankenhaus betreut wurde.

"Dabei hat sich eine Familie van Gelder ganz rührend um mich gekümmert. Leider musste der Kontakt später aus bekannten politischen Gründen abreißen. Aber 1978 habe ich sie noch einmal wiedergesehen und mich richtig bei ihnen bedanken können. Da war ich Trainer des 1. FC Magdeburg und wir spielten im Uefa-Pokal-Viertelfinale beim späteren Sieger PSV", verrät "Banne".

Seine Familie durfte ihn damals nicht in Holland besuchen. "Wegen Fluchtgefahr" vermutet Urbanczyk. "Nur telefonieren durften wir. Dazu musste meine Frau extra ins HFC-Casino, weil Anrufe ins kapitalistische Ausland, wie das damals hieß, nicht möglich waren." Jetzt freut sich Urbanczyk auf das Wiedersehen mit den alten Kämpen vom HFC und den Gästen aus Eindhoven. "Wir treffen uns im Ramada-Hotel in Halle-Peißen. Wie ich gehört habe, will Startrainer Guus Hiddink, der 1971 beim 0:0 im Hinspiel in Halle mit dabei war, alle begrüßen", plaudert Urbanczyk. Dabei wird es eine Überraschung geben. Die Eindhovener bringen für alle zwölf eingesetzten HFC-Spieler je ein PSV-Trikot mit. Mit der damaligen Rückennummer und dem Namen auf dem Hemd.

"Banne" ist im übrigen mit seinen beiden neuen Kniegelenken auch für den HFC wieder in den Stadien der Region auf Achse. Als Talentspäher im Scout-Team hilft er den Rot-Weißen bei der Suche nach gutem Nachwuchs.

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