
13.11.2005 / Zentralstadion, Leipzig
8.Spieltag 2005/2006
FC Sachsen Leipzig - Hallescher FC 1:0 (0:0)
Im FIFA-WM-2006-Stadion der Messestadt Leipzig trafen sich an diesem schönen Novembertag zwei als Favorit gestartete, im Laufe der Saison allerdings enttäuschende Mannschaften aufeinander. Von vornherein war klar, nur der Sieger der Partie hat die Möglichkeit, halbwegs Anschluss an die Spitze zu halten. Irgendwie schien das auch bei den halleschen Fans angekommen. Von zahlreichen Lokisten unterstützt durfte man im Sektor D, dem Gästebereich, eine stattliche Anzahl von Zuschauern bewundern. Die "Mitteldeutsche Zeitung" sprach später von rund 2.000 HFC-Unterstützern. Diese Zahl erscheint uns allerdings denn doch etwas hochgegriffen. Doch die Unterstützung der Mannschaft war erstklassig - leider das einzigste, was es diesbezüglich beim HFC zu bewundern gab...
Von Beginn an war der Gast von der Saale extrem defensiv eingestellt. Für den gewohnten Blick war dies natürlich etwas ungewöhnlich, doch dem Spiel eigentlich angemessen. Man merkte, dass das Team hier zunächst auf Sicherung bedacht war. So war denn der FC Sachsen zunächst mit Feldvorteilen, welche allerdings zu keinerlei nennenswerten Chancen führten. Erst nach neun Minuten zeigen die Gastgeber was Erwähnenswertes. Doch der Ball wirdaus 12 Metern über Küfners Kasten gedonnert.
Langsam erwacht der HFC aus seiner Letargie. Allerdings zeigt sich hierbei ein extremes spielerisches Unvermögen. Selbst einfache Pässe landen häufig beim Gegner. Man fragt sich, was die Spieler den ganzen Tag trainieren. Dennoch bekommt Tobias Friedrich seine Chance. Jan Walle zieht einen Freistoß von rechts nach innen und findet den Kopf des halleschen Verteidigers. Doch Twardzik im Sachsen-Kasten kann den Ball retten. Doch auch alles Nachsetzen des ehemals beim heutigen Gastgeber in Diensten stehenden Friedrich bringt nichts. Aus extrem spitzen Winkel kann erneut der Torhüter den Ball zur Ecke klären.
Diese bringt gleich die nächste Gefahr im Strafraum des Gastgebers. Twardzik unterläuft die Eingabe. Doch Jan Walle (oder doch Quidzinski, wie der MDR meinte?) kann den Ball per Kopf nicht im Kasten unterbringen. Das war denn auch schon alles, was es für die erste Halbzeit zu erwähnen gab. Fehler der einen Mannschaft wurden in Fehler der anderen umgewandelt. Ein wahres Fehlpassfestival "begeisterte" die knapp 6.700 Zuschauer in der WM-Arena.
Mit einem in die Mauer geschossenen Freistoß der Gastgeber waren die ersten 45 Minuten vorbei. In einem recht mässigen Oberligaspiel war allerdings der schwächste Mann der Schiedsrichterassistent auf der von Sektor D aus gesehenen linken Seite. Eigene Entscheidungen konnte dieser Mensch kaum treffen und wenn doch, waren sie grundsätzlich verkehrtherum entschieden. Glücklicherweise hatte dies keinen Einfluss auf die Partie, in der die Fans auf beiden Seiten torlos gelangweilt wurden.
Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte tauschte Rene Müller das erste Mal aus. Für den bemühten, aber gegen die Sachsen-Abwehr sich nicht durchsetzenden Nico Scherz kam Michel Petrick ins Spiel. Aber auch er sollte nicht die erhofften Impulse setzen können. Vielmehr übernahm nun der Gastgeber entgültig das Zepter in seine Hand.
Bereits zwei Minuten nach Wiederanpfiff zeigte sich der Ex-Hallenser Nico Breitkopf. Doch auch bei den Sachsen kann der erklärte "Feind der Partie" nicht richtig zielen und verzieht aus sieben Metern. Auch fünf Minuten später fehlt den Sachsen glücklicherweise das nötige Zielwasser. So bleibt es noch immer torlos.
In der 62. Minute kommt es dann zu einer Situation, die die Gemüter im Gästeblock voll erhitzen sollte. Matthias Küfner muss einen überraschenden Schuß zunächst prallen lassen. Doch mit einem Reflex kann er den Ball noch zur Ecke klären. In diesem Moment kommt Nico Breitkopf extrem ungestüm angestürmt und zieht voll durch. Doch er trifft nicht den Ball, sondern die Hand Küfners. Manch ein Schiedsrichter hat hier schon anders als "nur" auf Freistoß entschieden.
Nun war Stimmung in der Hütte. Und auch der HFC kommt nun wieder zu Chancen. Lars Gorg zieht aus etwa 18 Metern ab. Doch seine trockene Direktabnahme verfehlt den Kasten nur um Zentimeter. Auch Robert Römer bietet sich eine Chance. Doch sein Schuß etwa 20 Minuten vor dem Ende ist zu schwach und extrem ungenau.
Nun sollte es in beiden Fanlagern zu Aktionen kommen. In der Kurve der Sachsen lieferten sich hitzige Deppen eine Prügelei mit den vereinseigenen Ordnern, welche übrigens ganz schön schnell die Treppe hochrennen können. Dies sollte vielleicht Rene Müller mit seinen Leutchen mal trainieren, vielleicht bessert sich dann die Antrittsschnelligkeiten der Rot-Weißen... Leider konnten sich auch einige im Fanbereich des HFC nicht zurückhalten. Mit Einweihung einer Blockfahne "Gewalttätersport Hallescher FC" (welchen tieferen Sinn soll diese denn haben?) wurde eine Rauchbombe gezündet. Sorry, so gut, wie entsprechende Pyroshows sein können, diese hier war deplaziert...
Doch schauen wir nach verzogenem Nebel wieder auf das Spielgeschehen. Zehn Minuten vor dem Ende brennt es im halleschen Strafraum lichterloh. Mit allem, was sie haben, werfen sich Tobias Friedrich und der eingewechselte Irakli Gemazashvili in den Ball. Matthias Küfner zeigt ebenfalls extreme Reaktionen. Die Sachsen wollen hier mindestens eine HFC-Hand im Spiel gesehen haben. Und ganz ehrlich, von unserem Standpunkt aus hätten wir uns auch nicht über einen Pfiff des Schiedsrichters beschwert. Doch die TV-Bilder des MDR haben bewiesen, wie goldrichtig der Referee lag, hier nicht auf den ominösen Punkt zu zeigen. Mit allem möglichen, aber eben nicht mit der Hand hatten die Spieler des HFC das Tor verhindert.
So langsam stellten sich alle im Zentralstadion auf ein torloses Unentschieden ein. Doch die Sachsen hatten noch eine Chance. Im Strafraum der Hallenser fiel der Ball plötzlich Baum vor die Füße. Ohne den Hauch einer Chance muss Matthias Küfner mit ansehen, wie der Ball im Kasten einschlägt. Vier Minuten vor dem Ende jubelt Grün-Weiß. Der Gästeanhang ist entsetzt!
Doch das Spiel ist noch nicht vorbei. Nach einem Patzer des im gesamten Spielverlauf um gelb-rot bettelnden aber nicht erhörten Nigerianers Ogungbure marschiert Robert Römer völlig allein auf das Sachsen-Tor zu. Seinen Schuß hält Twardzik mit einer glänzenden Parade, legt den Ball aber Denis Koslov auf. Doch der Russe hat irgendwo seine Torjägerqualitäten verloren. Er semmelt den Ball unkontrolliert über das Tor. Nichts war es mit dem verdienten Unentschieden. Schluß, aus, vorbei! Gefeiert wird dieses Jahr in der Heimkurve. Die Gästefans sind geschockt und sehen auch die Gefahr. Nach oben ist der Zug abgefahren, nach unten sind es nur noch acht(!) Punkte. Wohin gehst Du, HFC?
Bilder vom Spiel gibt es in unserer Galerie
Das sagten die Trainer: (übernommen von
MDR online)
Hans Leitzke (FCS): "Es war ein verdienter Sieg meiner Mannschaft. Heute hatten wir das Quäntchen Glück, welches uns in der vergangenen Woche noch gefehlt hatte. Vor der Pause waren wir etwas verkrampft, das muss man den jungen Spielern aber zugestehen. Mit der zweiten Halbzeit bin ich aber sehr zufrieden."
Rene Müller (HFC): "Wir haben heute viele Chancen gesehen –eher ungewöhnlich für so ein Spiel. Meine Mannschaft hat hinten zu viel zugelassen. Auf Grund der zweiten Halbzeit geht der Sieg für die Sachsen in Ordnung. Allerdings hätten wir bei den Chancen kurz vor Schluss den Ausgleich machen können. Es war ein gutes Spiel, ein guter Fight – mehr kann man in der Oberliga nicht erwarten."
So wurde gespielt:
FCS: Twardzik - Köckeritz, Ogungbure, Wejsfelt, Baum - Ferl, Garbuschewski, Soltau (46. Watzka) - Kittler (72. Schwesinger) - Breitkopf, Seifert (61. Boltze)
HFC: Küfner - Trehkopf, Friedrich, Tews, Zahorec (75. Gemazashivili) - Walle, Georg, Römer, Quidzinski - Scherz (46. Petrick), Gleis (75. Koslov)
Tore: 1:0 Baum (86.)
Zuschauer: 6.637