19.12.20084:0! HFC erobert endgültig das Zentralstadion!
Ein wohl in der HFC-Historie einmaliges Jahr ging an diesem Abend mit einem glorreichen 4:0-Erfolg im ehemaligen WM-Stadion gegen den heimischen FC Sachsen zu Ende. Im gesamten Jahr 2008 gelang es damit keiner Mannschaft, die Rot-Weißen auswärts zu schlagen. Das heutige Spiel sollte diese Serie nur noch toppen.
Trotz im Vorfeld heftigster Verbote, welche nur einsitig in Richtung hallescher FC zeigte, reisten dennoch an die 3.000 Zuschauer an die Elster, um ihre Fußballer des HFC würdig in die Weihnachtsferien zu feiern. Diese eindrucksvolle Wand sorgte somit für eine Art Heimspiel im auswärtigen Stadion. Was sie dann im Verlauf der nächsten 90 Minuten erleben sollten, war Begeisterung pur!
Das Spiel begann mit Anstoß des FC Sachsen Leipzig. Doch die Leutzscher sollten das Leder nicht lange in ihren Reihen behaupten dürfen. Schnell flog der Ball erstmals in den Strafraum der Hausherren. Im MDR-Live-Ticker kann man nun von einer undurchsichtigen Aktion mit HFC-Stürmer Neubert lesen. Dem Tickerschreiber sollten seine Vorgesetzten eine Brille verpassen, denn es war deutlich selbst am anderen Ende des Spielfeldes zu erkennen, dass ein Leipziger Abwehrspieler vor dem einschussbereiten HFC-Angreifer mit der Hand klärte. So ertönte nach gerademal 37 Sekunden Spielzeit der fällige Elfmeterpfiff. Nico Kanitz ließ sich nicht zweimal bitten und so stand es nach nicht mal zwei Minuten bereits 0:1! Leipzig reagiert nicht geschockt, während der HFC in der Abwehr recht wacklig steht. So müssen die Gastgeber im unmittelbaren Gegenzug eigentlich den Ausgleich erzielen. Doch mit so viel Unvermögen ausgestatten, stellen die Sachsen keine Gefahr dar. Irgendwie kann man immer mehr nachvollziehen, dass die Leutzscher gerade mal 8 Tore in 18 Spielen erzielt haben. Selbst vor dem leeren Tor - auch wenn es Abseits war - gelingt es den Leipzigern nicht, die Kugel im Kasten unterzubringen. Mitte der ersten Hälfte kann sich der HFC vom harmlosen Druck der Sachsen befreien. Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass die Gäste viel zu tief in der eigenen Hälfte stehen. Gut, man könnte meinen, so sieht eine clevere Kontertaktik aus, aber dann müssen diese auch konsequent vorgetragen werden. Dies erfolgte leider nicht, so dass es mit der knappen Führung in die Kabinen ging.
Nach dem Seitenwechsel rückt zunächst der Schiedsrichter in den Blickpunkt des Geschehens. Völlig allein stürmt Maik Kunze auf das Leutzscher Tor zu und wird plötzlich zurückgepfiffen. Ein HFC-Spieler(!) liegt an der linken Spielfeldseite am Boden und soll zunächst behandelt werden. Durch den Pfiff wird dem HFC eine klare Vorteilsituation abgenommen, ja eine klare Tormöglichkeit entrissen. Doch es gibt nichtmal Freistoß für die echte Chemie. Schiedsrichter Kempter, der schon für den zweifelhaften Elfmeter für Holstein Kiel sorgte und somit den HFC um den Sieg brachte, gibt nur Schiedsrichterball. Damit brachte sich der Bundesligareferee mehr als aktiv ins Spiel ein. Von Sachsen ist in dieser Phase nur ein harmloser Fernschuss zu registrieren. Dann kommt die 55. Minute.
Bereits Mitter der ersten Hälfte hatte es im Gästeblock einige Probleme mit zusätzlichen Gästen gegeben, welche unbdingt ihre blau-gelbe Fahne präsentieren wollten. Unverhältnismäsig versuchten die Ordner, dies zu verhindern. Die echten Fans des HFC skandierten Rufe zugunsten des eigenen Vereins und machten so deutlich, dass sie mit diesen Aktionen nichts am Hut hatten. Doch in der besagten 55. Minute starteten die "Aktionsfans" des HFC unter dem Motto "Trotz Verbots - wir sind Feuer und Flamme" eine Pyroaktion. Mit Unterstützung von Böllern wurde die Nachhaltigkeit unterstrichen. Schiedsrichter Kempter zeigte deutlich an, dass er bereit ist, das Spiel abzubrechen. Doch den "Hohlköpfen" schien dies egal zu sein. Aber es regte sich im Block lauthals Widerstand. Stimmlich wurde versucht, gegen die Pyromanen anzugehen. Irgendwann kehrte dann auch Ruhe ein und es wurde auf dem Platz Fußball gespielt. Jan Benes wusste sich auf dem Rasen aber nur mit einem Foul im eigenen Strafraum zu helfen. Der Pfiff mit Zeigen auf dem ominösen Punkt war nur die logische Folge. Der Leipziger Garbuschewski nimmt das Leder und schaut Richtung Horvat. Dieser schafft es erneut, den Schützen dazu zu bringen, in seine Lieblingsecke zu schießen. Und wieder ist der Teufelskerl auf dem Posten und hält den Ball sicher(!). Im Gegenzug erhalten die Gäste einen Eckball. Diesen zieht Thorsten Görke auf den kurzen Pfosten. Hier steht Maik Kunze völlig frei und köpft unhaltbar ein. Mit diesem Doppelschlag war die Moral der Hausherren endgültig gebrochen. Thorsten Görke präsentierte nach diesem Treffer ein gelbes Shirt unter seinem Trikot, welches die Aufschrift L-O-K trug. Damit wollte der Hallenser auf die unberechtigten Verbote in Richtung Gästefans hinweisen und erntete die gelbe Karte. Sicher, sportliche Fairness sieht anders aus, freie Meinungsäußerung sei aber gestattet.
In der Folge hatte Rot-Weiß die Partie voll im Griff. Locker, fast schon arogant spulten sie ihr Pensum herunter. Im Gästeblock ist die Stimmung famous, zumal der FCM zwischenzeitlich den Ausgleich hinnehmen mussten. Wie deprimierend muss es für die Spieler und Fans der Sachsen gewesen sein, auf der Anzeigetafel die zwischenzeitliche Tabellenführung des Erzfeindes zu sehen. Das auch noch der vorletzte Tabellenrang des eigenen Teams eingeblendet wurde, muss um so schlimmer gewesen sein. Seis drum, wir Hallenser konnten dies nur feiern. Es störte auch nicht, das die Elbestädter der vebotenen Stadt auch wieder in Führung gingen. Heute zählte nur der Sieg in Leipzig. Und dieser wurde noch schöner. Ronny Hebestreit hob den Ball glänzend auf den eingewechselten Christian Beck, der ebenso überlegt das Leder über den Sachsen-Keeper in das Tor hebt. Das ein Ball so lange fliegen kann, ist unbegreiflich. Als er aber endlich im Netz zappelte, gab es kein halten mehr. Die Krönung war natürlich der abschließende, ebenfalls völlig unstrittige Elfmeter von Thorsten Görke, der den Abschluss zum 4:0-Auswärtssieg setzte. Mit einer zünftigen UFTA mit dem Team und beherztem Befeiern des Mannschaftshelden Darko Horvat fand dieser Abend ein gelungenes Ende. So darf es bleiben, so kann es nächstes Jahr weitergehen! Ein Wahnsinn!
Bilder vom Spiel und dem Drumherum sind hier zu finden!Das meinten die Trainer nach dem Spiel:
Dirk Heyne (FC Sachsen):"Das frühe Gegentor gegen einen HFC in der jetzigen Verfassung war natürlich schädlich. Trotzdem haben wir ein Riesenspiel gemacht und viele Möglichkeiten erarbeitet. Was gefehlt hat waren die Tore. Die Spielanlage war gut, aber der i-Punkt, der den Knoten platzen lässt, hat gefehlt. Wir hatten in der ersten Halbzeit Möglichkeiten auf Ausgleich und Führung. Für uns war eine Menge drin. Nach dem Ergebnis 4:0 sind wir die Deppen. Aber es entsprach nicht dem Spielverlauf."
Sven Köhler (HFC):"Ich freue mich natürlich über den Sieg. Es war ein schwieriges Spiel. Das Ergebnis ist zu hoch ausgefallen, denn bis zum vergebenen Elfmeter der Leipziger war es ganz eng. Darko hat da großartig pariert. Das 2:0 direkt im Anschluss war dann die Schlüsselszene. Insgesamt hat uns die frühe Führung nicht gut getan."
So spielten beide Teams:
FC Sachsen Leipzig:Lippmann - Moritz, Balic, Gerber, M. Werner (44. Hempel), Moses, Rupf, Garbuschewski, Hönemann (82. N. Breitkopf), Haufe, T. Breitkopf (68. Schinke)
Hallescher FC:Horvat - J. Werner, Kamalla, Lachheb, Benes, Kunze, Finke, Görke, Kanitz (70. David), Hebestreit (85. Re. Stark), Neubert (72. Beck)
Tore: 0:1 Kanitz (2./FE), 0:2 Kunze (58.), 0:3 Beck(82.), 0:4 Görke (84./FE)
Zuschauer: 5.899 (darunter eine ca. 3.000 Mann umfassende HFC-Wand)
Besonderheit: Darko Horvat hält Elfmeter von Garbuschewski (57.)