29.08.2008Richtig Turbulent sind nur die letzten fünf Minuten
Der Hallesche FC hat fast drei Pflichtspiele in dieser Saison gebraucht, um das erste Saisontor im heimischen Kurt-Wabbel-Stadion zu erzielen. Dennoch langte es gegen den SV Wilhelmshaven nur zu einem Last-Minute-Unentschieden. In der ersten Halbzeit waren beide Teams um hohes Tempo bemüht. Die Folge war ein Fehlpassfestival vom Feinsten. Selbst Doppelpässe mit dem Gegner waren unglaublicherweise oft zu sehen. Das Spiel wog hier hin und her. Mal hatten die Hausherren das Zepter in ihrer Hand, konnten aber so richtig zwingende Möglichkeiten nicht herausspielen. Dann übernahmen die Gäste von der Nordsee die Regie, waren aber auch nur etwa 10 Minuten optisch überlegen, ohne echte Gefahr auszustrahlen. Unerklärlich war, warum der HFC grundsätzlich über lange Bälle zum Erfolg kommen wollte. Wurde der Ball flach kombiniert, entstand weit mehr Gefahr. Dies muss künftig viel mehr umgesetzt werden. So ging es torlos in die Katakomben.
Nach dem Pausentee zog Chemie deutlich mehr an den Ketten. Nach 52. Minuten lag der Torjubel auf den Lippen der sonst stumm protestierenden HFC-Fans. Doch Thomas Neubert kann das Leder nach einer wunderbar getimten Flanke von Nico Kanitz nicht per Kopf im Tor unterbringen. Eigentlich war dies ein absolutes Armutszeugnis für einen Stürmer. Nun zog auch die Schärfe ins Spiel ein. Etwa nach einer Stunde erhielt der Suchy gelb für ein übles Foul an Pavel David. Nach dem fälligen Freistoß zappelt in der 64. Minute das Leder im Netz von Wilhelmshaven. Doch der Treffer von Kevin Kittler wurde nicht anerkannt. Der Schiedsrichterassistent sah eine Abseitsstellung. Dort stand Ronny Hebestreit ohne Spielbeeinflussung allerdings lediglich passiv, weshalb die Entscheidung des Schiedsrichters deutlich falsch war. In dieser Phase verlor der Referee auch seine Linie und wurde fast spielbeeinflussend. Thorsten Görke sah für ein Allerweltsfoul Gelb und, da er sich im Wegdrehen offensichtlich zu heftig beschwerte, fast Gelb-Rot. Auch Pavel David sieht eine unverständliche gelbe Karte für eine Aktion, wo sich das ganze Stadion fragte, wo der Assistent ein Foul gesehen haben wollte. Den gleichen Maßstab angesetzt, hätte der Wilhelmshavener Suchy in der vorher beschriebenen Situation Rot sehen müssen.
Sie Spieler des HFC ließen sich aber nicht beirren, und spielten weiter aktiv nach vorn. Doch weder Paven David, Nico Kanitz oder der eingewechselte Christian Beck konnten ihre zum Teil hochkarätigen Möglichkeiten nutzen. So sollte wohl eine alte Fußballerweisheit Wahrheit werden, als der Wilhelmshaver Storey nach einem Kamalla-Fehler (wo blieb das taktische Foul?) die gesamte Abwehr düpierte und fünf Minuten vor dem Ende die überraschende Führung für die Gäste erzielte. Es war die einzigste Möglichkeit, welche der SVW in dem zweiten Spielabschnitt besaß. Doch der HFC legte mit unbändigen Willen nach. Er konnte eine Minute vor Ultimo per Traumtor doch noch ausgleichen. Nico Kanitz hämmerte das Leder aus 18 Metern unhaltbar ein. Nun brachen auf dem Rasen und auf den Rängen alle Dämme. Die HFC-Fans, welche im Spiel gegen die erdachten Represalien und vor allem die gegen die Pauschalisierung stumm protestierten, jubelten unaufhaltsam. Mit fünf Punkten aus den ersten drei Punkten hat der HFC einen halbwegs zufriedenstellenden Start hingelegt, auch wenn vor allem an diesem Freitag mehr möglich war.
Nach dem Spiel skandierten die friedlichen Fans des HFC zum Zeitpunkt, als das Team in der Kurve auftauchte, den Slogan "Fußballfans sind keine Verbrecher!" Damit wandte sich die gesamte Fankurve deutlich gegen aktuelle Represalien, die man als rot-weißer Fan derzeit ertragen muß. Auch Nico Kanitz, der anschließend nach einem Interview-Marathon allein in die Kurve ging, musste dies über sich ergehen lassen. Vielleicht wird nun auch im Team und im Verein nachgedacht, dass ein Pauschalieren der Zukunft des HFC ebenfalls nicht gerade förderlich ist.
Bilder vom Spiel sind hier zu finden!Das meinten die Trainer nach dem Spiel:
Sven Köhler (Hallescher FC):"Am Ende bin ich natürlich zufrieden, weil wir mit viel Willen noch den Ausgleich erzielt haben. In vielen Phasen des Spieles konnte die Mannschaft den SVW unter Druck setzen. Allerdings haben wir unsere Chancen nicht genutzt und wurden dafür fast noch bestraft. Wir haben Wilhelmshaven in Kiel beobachtet. Dort gewannen sie 2:0, hatten aber nicht halb so viel Möglichkeiten wie bei uns."
Predrag Uzelac (SV Wilhelmshaven):
"Es war ein kampfbetontes und sehr schnelles Spiel. Allerdings spielten beide Mannschaften technisch nicht sehr gut. Es gab zu viele Fehlpässe. Für uns war der Ausgleich in der 89. Minute sehr bitter. Am Ende war es aber ein verdientes Unentschieden. Wir haben aus unseren vielen Standards zu wenig gemacht. Meinem Team hat man deutlich angemerkt, dass wir 14 Tage spielfrei waren."
So spielten beide Teams:
Hallescher FC:
Horvat - Schubert, Lachheb, Kamalla, Benes, David (78. Finke), Görke, Kittler (73. Re. Stark), Kanitz, Hebestreit, Neubert (80. Beck)
SV Wilhelmshaven:
Halilovic - Conrad, Gaebler, Zinke, Suchy, Nimptsch, Bourgault (88. Kappler), Beyer (60. Azizi), Pollok (83. Diamesso), Kowalczyk, Storey
Tore: 0:1 Storey (85.), 1:1 Kanitz (89.)
Zuschauer: 2.296 (darunter ca. 15 Gästefans)